Strampeln für das Klima

In den Regionen wird wieder mehr Rad gefahren – auch Viertklässler machen beim Autofasten mit

Autofasten Nachricht (c) Hans-Peter Reichartz
Di 7. Mär 2017
Garnet Manecke
Das Autofasten ist auch in den Regionen Mönchengladbach und Heinsberg eine gute Tradition geworden, bei der immer mehr Menschen mitmachen.
Autofasten Quadrat (c) Hans-Peter Reichartz

Dabei geht es nicht darum, das Auto zu verteufeln, sondern bewusster zu nutzen. Der positive Effekt: Es werden viele Kilometer und damit CO2 eingespart. In diesem Jahr machen auch die Schüler der 4c der katholischen Grundschule Holt mit.

Blerina und Daniel sind heute morgen zu Fuß zur Schule gekommen und Fiona hat den Bus genommen. Das sagt die Liste, die auf der Tafel in der 4c hängt. Dort zeigen blaue Stempelaufdrucke, wie die Kinder ihren Schulweg morgens zurückgelegt haben: ein Paar nackter Füße für die Fußgänger, ein Auto für diejenigen, die das Mama-Taxi genommen haben, ein Fahrrad oder ein Bus.

Getreu nach dem alten Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ beteiligen sich zum ersten Mal Kinder an der bistumsweiten Aktion des Autofastens. „Wir wollen Kinder mit dem Thema Klimaschutz bekannt machen“, sagt Lutz Braunöhler, Vorsitzender des Diözesan- rates. Auf diese Weise wollen die Organisatoren den Nachwuchs für die Auswirkungen des Autofahrens und die damit verbundenen Folgen für die Umwelt sensibilisieren. Das klappt so gut, dass sich Braunöhler bei der Begegnung mit den kleinen CO2-Sparern kritischen Fragen gegenübersieht, als die Schüler sich dafür interessieren, wie er denn zu ihnen gekommen sei. Dass er das Auto benutzt hat, trägt ihm dann doch so manchen vorwurfsvollen Kinderblick ein – auch wenn er von seinem Wohnort im Kreis Heinsberg eine längere Anreise hatte.

Seit sieben Jahren gibt es die Aktion im Bistum und sie hat sich inzwischen zu einem Erfolgsmodell entwickelt, an das sich auch viele Menschen und Gruppen anschließen, die nicht in direkter Verbindung mit der Kirche stehen. In Korschenbroich ist die Initiative „41352 einfach besser leben“ mit dabei und wirbt mit dem Spruch „burn fat – not oil“ (verbrenne Fett, kein Öl) für das Fahrradfahren. Die Mitglieder der Initiative nutzen die Gelegenheit, um so viele Korschenbroicher wie möglich für das Fahrrad zu begeistern. Dabei führt die Initiative nicht nur das Klima als Argument an. Auch der eigenen Fitness und dem Wohlbefinden tue die tägliche Tour zur Arbeit, zum Einkaufen oder in die Schule gut, betont die Initiative. Da die Gruppe sich generell für eine nachhaltige Lebensführung, den Umweltschutz, Ressourcenschonung, Veminderung des CO2-Ausstoß und Förderung der Regionalität einsetzt, kann sie Interessierten auch in anderen Bereichen mit vielen Tipps zur Seite stehen.

Mit dem Tagebau Garzweiler II sind in den Regionen Heinsberg und Mönchengladbach die Themen Klimawandel, Naturschutz sowie das Spannungsfeld zwischen der Bewahrung der Schöpfung und den Existenzängsten derer, die vom Tagebau leben, seit Jahrzehnten gegenwärtig. Der Tagebau hat zu gravierenden Veränderungen geführt: Durch die Umsiedlung kommt es in vielen Orten neben den geografischen auch zu Veränderungen in der Dorfstruktur. Weil Bewohner aus Altersgründen nicht mitziehen oder die Gelegenheit nutzen, woanders neu anzufangen. Dazu kommen klimatische Veränderungen durch die Rodung von Wäldern und das Abtragen von Grünflächen wie Feldern. In der Zukunft wird sich das fortsetzen, wenn der Tagebau abgeschlossen ist. Dann soll aus der Garzweiler Grube ein See von etwa 23 Quadratkilometern Fläche werden. Zusätzlich zu den Seen, die im Tagebau bei Inden und bei Niederzier entstehen.

 

Kinder lernen, dass jeder etwas für den Klimaschutz tun kann – und stellen Fragen

Soweit denken die Kinder der 4c noch nicht. Im Unterricht lernen sie, was fossile Brennstoffe sind und welchen Unterschied es zwischen ihnen und erneuerbaren Energien gibt. Und dass jeder dazu beitragen kann, die Welt lebenswert zu halten. Mit dem Ansatz bei den Kindern wird ein Grundstein gelegt. Sie denken darüber nach und stellen Fragen – auch ihren Eltern. Wer das Autofasten einmal ausprobiert hat, bleibt oft dabei. Das zeigt die Teilnahme der Pfarre Herz Jesu Rheydt in der GdG Rheydt West. Zum dritten Mal ruft sie ihre Mitglieder zum Autofasten auf. Im vergangenen Jahr trug das Team von den 5012 im Bistum eingesparten Kilometern 1757 bei.

 

Info

Am Sonntag, 12. März, findet die 6. E-Rallye in Heinsberg für Elektroautos aller Klassen statt. Die Teilnehmer können zwischen einer Kurzstrecke über circa 50 Kilometer und einer Langstrecke über circa 80 Kilometer wählen. Infos unter www.hs-emobil.de. Für Samstag, 8. April von 10 bis 15.30 Uhr, lädt der Diözesanrat der Katholiken zu einer Energie-Exkursion in Mönchengladbach ein. Infos bei nicole.gabor@diozesanrat.bistum-aachen.de.

Autofasten (c) Hans-Peter Reichartz